| Essaouira - Harmonie der Gegensätze |
| Geschrieben von: Frank Bick |
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Im Süden Marokkos liegt die kleine Hafenstadt Essaouira, 100.000 Einwohner, unterteilt in Medina und Neustadt. 14 Tage Aufenthalt in dieser Stadt, vor allem in der Medina, bewogen uns - Birgit Brechbühler und Frank Bick - zum vorliegenden Fotoprojekt. Essaouira bedeutet soviel wie Die Vollendete, gerade aber in der alten Medina dieser Stadt kann die marokkanische Eigenschaft der Offenheit für alles Neue und die Integration moderner Errungenschaften anschaulich betrachtet werden. Das Projekt Essaouira wird nie vollendet sein. Marokkaner haben das Talent ihre Tradition zu wahren und trotzdem alles Moderne - sollte es sinnvoll und nützlich sein - in ihren Alltag aufzunehmen. Zurschaustellung von Besitz zwecks der reinen Präsentation ist in Marokko bisher noch selten anzutreffen, außer bei Touristen. Hinter einer schönen alten Mauer liegt die Altstadt Essaouiras direkt am Atlantik, etwa 180 km nördlich von Agadir. Die Altstadt ist eng, verschachtelt und bietet Touristen den erwünschten Eindruck aus 1001er Nacht (obwohl das woanders war). Neben Hotels und Riads gibt es einige wunderbare Ferienhäuser, zu buchen über zum Beispiel http://www.essaouiranet.com. Ziel des Fotoprojekts war in erster Linie die Fotografie einiger Menschen, nicht lediglich die besonderen, skurilen, auffälligen oder angenehmen wie sie meist abgelichet werden, z.B. Kinder, alte Frauen und Männer, Bettler, Wasserverkäufer usw., sondern eine Fotografie der Menschen die jedem von uns täglich in dieser Stadt begegnen können, die dort zu Hause sind und sich nicht für Touristen verstellen. Wir verbinden mit den Fotos aus dem Urlaub in armen Ländern oft eine Sozialromantik, die den Lebensbedingungen der Menschen kaum entspricht. Männer mit Eseln hätten gern ein Auto, Schmutzige Mädchen gern ein wenig mehr zu essen oder Chancen auf Bildung und Reichtum. Stellen Sie sich einmal vor, ich würde bei einer deutschen, armen, alten Putzfrau schellen und sie um ein Porträt bitten, wie idiotisch käme uns diese Verhaltensweise vor, aber kaum sind wir in Marokko, Griechenland, Tunesien, bewerten wir die Sachlage anders. Menschenmassen bewegen sich täglich durch Essaouira. Der erste Eindruck einer Medina in Afrika ist für Europäer gleichsam faszinierend wie beängstigend. Diese Angst und Unerfahrenheit wird von findigen Verkäufern sofort erkannt und genutzt, hier könnten die Jungs von Vorwerk noch eine Menge lernen. Geben Sie niemals bettelnden Kindern Geld ohne vernünftige Gegenleistung (wie Schuhe putzen oder als Fotomodell), ansonsten immer nur einheimische Nahrungsmittel wie Orangen. Geben Sie niemals einen Kugelschreiber. All das sind dumme Angewohnheiten wie Enten füttern im Stadtpark. Sie verändern die Menschen damit zu deren Nachteil. Geben Sie aber jedem Bettler ruhig einen Dirham, denn Betteln ist eine ehrenwerte Sache in Nordafrika, ja fast ein Beruf. Viele Menschen in Essaouira leben direkt vom Tourismus. Manche sprechen die Besucher direkt bei ihren Geschäften an, manche verhalten sich bereits vollkommen europäisch und warten das der Kunde sich meldet. In Essaouira spielen neben dem alles dominierenden Holzhandwerk, Kunst und Musik eine große Rolle, aber auch Schmuck, Teppiche und natürlich die Gastronomie sind stark vertreten. Touristen halten sich meist nur einenTag in Essaouira auf. Nach 17:00 Uhr sind die letzten Busse aus Agadir auf dem Rückweg, einige bleiben für eine Nacht. Der übliche Ablauf ist ein Herumlaufen in der Altstadt, dann noch ein beliebiges Foto vom Partner, der Familie oder den Türen, Essen, weiter gehts. Nachteil dieser Form des Tourismus ist, dass man die Seele einer Stadt nicht erfassen kann. 14 Tage reichen dafür nicht einmal, allerdings macht man in dieser Zeit viele Beobachtungen und erkennt Zusammenhänge im Ablauf des Stadtgeschehens, jetzt wird es eigentlich erst interessant und spannend. Uns seien Sie doch einmal ehrlich zu sich selbst, so schön die Türen, Türme usw. auch sein mögen, interessieren Sie sich wirklich für TÜREN? Da in der Altstadt Autos verboten sind, spielt das Transportgewerbe eine deutlich sichtbare Rolle in Essaouira. Die Kofferträger bekommen aber leider zukünftig Konkurrenz von den Koffern selbst, sie haben nämlich auf einmal alle Rollen. Lassen Sie ihre Koffer ruhig für 2 Euro transportieren. Der Mann zeigt Ihnen den Weg und bewahrt Sie bei der Ankunft vor ersten Verkäufern. Einige Waren werden auch mit Halb-Motorrädern transportiert, wahrscheinlich chinesische Produkte. Auch für Marokko ist China ein Billigland. Wer mit dem Auto anreist muss vor der Stadt parken, für 20 Dirham am Tag. Reifenwechsel und Reparatur eines platten Reifens übernehmen die Parkwächter für 200 Dirham. Die Arbeit als Fischer, Schiffsbauer oder Maler im Hafen der Stadt hat nach wie vor neben dem Tourismus eine große Bedeutung. Die fischreiche Atlantikküste bietet gute Möglichkeiten der Ernährung. In Marokko hungern sehr wenige Menschen. Manche holen sich abends nur Nahrung für den Tag aus dem Meer, andere verkaufen größere Mengen. Die Fotos zeigen die großen Schiffe, aber auch kleine Schiffe, Angler und Menschen die den Tag am Hafen verbringen. Die Fotos wurden alle mit einer Canon Powershot G11 (geliehen von doctosse.de) und einer Canon 5D Mark II und 4.0 70-200mm Objektiv (geliehen von dock66.de) gemacht. Die Reiseausrüstung stammt wie immer von funcktion.de, z.B. eine wunderbare Kameratasche von Mountainsmith. Die Menschen wurden soweit wie möglich gefragt und über die Fotos und deren Veröffentlichung auf dieser Seite informiert. Wir können allen Betrachtern und Lesern nur raten einmal nach Essaouira zu reisen, die Menschen, ihr Charme und ihre Lebensweisheit dort machen den Aufenthalt zu einem angenehmen Erlebnis. Von den Marokkanern können wir alle lernen, wie wenig es braucht um einen schönen Tag zu haben. |
| Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 22. Mai 2010 um 08:12 Uhr |